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If we weren't Arashi [4/4] >>> SakuMoto

 
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satsuki
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Anmeldedatum: 02.02.2008
Beiträge: 32
Wohnort: Halle (Saale)

BeitragVerfasst am: So Aug 23, 2009 5:11 pm    Titel: If we weren't Arashi [4/4] >>> SakuMoto Antworten mit Zitat

Titel: If we weren't Arashi

Kapitel: 1/4 (vorläufig)

Genre: AU
Pairings: Bis jetzt noch keine, Jun-centric, (tendenziös Sakumoto?)
Wörter: 1876

Anmerkungen: un-betaed. Fehlermeldungen sind immer willkommen. Betas auch ^^" Die Idee hatte ich seit den AU-CMs XD.
EDIT: Vielen Dank für die Anmerkungen, Slashbabe~


1. Ohno

Er hatte einen gewissen Ruf.

Er hatte ein Talent Dinge in das rechte Licht zu rücken. Er hatte ein Auge für Details. Er hatte ein Auge für das Ganze. Er war Perfektionist und durchaus ungehalten, wenn etwas nicht nach seinem Plan verlief. Er liebte Pläne.

Er vergötterte seinen Beruf. Er war ein Workaholic. Er hatte einen Kontaktspeicher mit mehr als 300 Adressen - mehr als zehn waren ihm nicht wichtig.

Er folgte immer seinen eigenen streng auferlegten Prinzipien.

Er war diszipliniert. Er war gefragt.

Er hatte als Roadie angefangen. Mit einfachen hin- und herschleppen von Kisten, Bühnenmontagen oder ähnlichem. Registrierte er Fehler, merkte er sie an. Es ergab sich beinahe wie von selbst. Schon bald hatte er ein Auge auf die Technik, das Licht, den Ton, ja sogar das Bühnenkonzept. Bis man ihn für die gesamte Organisation zu Rate zog. Er checkte die Proben, kritisierte, was seinem ästhetischen Empfinden widersprach.
Er erntete Bewunderung aber auch Missbilligung.
Er war das Mädchen für alles, mit dem Blick auf alles.

Bald konnte er es sich leisten, sich auszusuchen mit wem er arbeitete. Er mochte es grundsätzlich nicht, sich auf andere verlassen zu müssen, sodass er sich nun Leute aussuchen konnte, die er als verlässlich einstufte.
Er machte es sich zur Gewohnheit, die jeweiligen Profile der Künstler zu studieren, damit er vorinformiert war. Denn das letzte, was Matsumoto Jun gebrauchen konnte, waren Überraschungen. (Auch brachte es eine gewisse Wertschätzung mit sich, wenn man die Namen derjenigen kannte, mit denen man arbeitete.)

So auch bei diesem Konzert.
Suga Shikao in Tokyo Dome.

Als er die Profile der Tänzer, die er für das Konzert gebucht hatte, im voraus durchgesehen hatte, fiel ihm vor allem Ohno Satoshi auf. Nicht unbedingt im positiven Sinne. Er hatte eine Augenbraue gehoben, als er das blanke, ausdrucklose Gesicht gesehen hatte. Jun hatte sich ernsthaft gefragt, ob Ohno etwas taugte.

Seine Zweifel verstärkten sich, als er Ohno in Natura sah. Schlürfend, mit hängenden Schultern und irgendwie abwesend trottete er hinter der Tänzergruppe her.
Er war eher klein und unauffällig. Sein Kleidungsstil war ein bunter Mix aus wahllos dem Kleiderschrank entnommenen, etwas abgetragenen Sachen (wenn das FM Yokohama Shirt irgendetwas sagte). Jun mochte diese Art von Mensch, der nicht viel Wert auf seine äußere Erscheinung legte, nicht sonderlich. Das einzige was positiv auffiel waren seine Haare. Sie hatten etwas fluffiges.

Nicht von dieser Welt, schoss es ihm durch den Kopf. Eher in seiner Eigenen. Jun lächelte etwas gequält und rechnete mit Schwierigkeiten.

Er rief zur Probe. Er hatte die Performance noch nicht gesehen und wollte sich überzeugen, ob auch alles seine Richtigkeit hatte. Er hasste es nicht über jede Kleinigkeit informiert zu sein.

Um so überraschter war er, dass Ohno den Mittelpunkt der Performance bildete.
Und als die Musik begann, schien Ohno aus einer Art Trance zu erwachen. Seine Miene war konzentriert, seine Bewegungen flüssig und geschmeidig.
Oder sie wollten es sein. Jun kniff seine Augen zusammen. Es sah so aus, als würde Ohno von Zeit zu Zeit wegrutschen. Aber der Tänzer korrigierte dies so schnell, dass Jun es fast als Einbildung abtat.

Er war so überrascht, so gebannt, dass er fast vergaß, auf das Gesamtbild zu achten.

„Yamashita, du solltest etwas mehr in die Mitte rücken. Dein letzter Schritt fiel zu weit nach rechts aus“, bemerkte er kritisch als die Musik verklang.

Er hatte ein Auge für Symmetrie, für das große Ganze. Und selbst der Choreograph nahm Juns Einwände nicht mehr übel. Eine zweite Meinung konnte nie Schaden.
Einmal hatte der Choreograph sich mit Jun angelegt: Er solle sich doch um seinen Kram kümmern. Worauf Jun lediglich erwiderte, dass seine Arbeit sei, auf alles zu achten und dass dies durchaus den Verlauf der Choreographie implizierte und wenn der Herr Choreograph diesen Fehler nicht sah, dann mache er keinen sonderlich guten Job.

Er nickte den anderen kurz zu, sein Blick verweilte etwas länger bei Ohno, der sich im Nacken kratzte und nochmals einige Schritte durchging. Seine Füße schabten prüfend über den Boden.

Don’t judge a book by its cover
, schoss es Jun durch den Kopf und er lächelte unwillkürlich.

Er klatschte in die Hände. „Zeit zum Umziehen. Macht euch fertig.“ Die Tänzer verschwanden in Richtung Umkleide. „Yamamoto, ich will noch einmal die Lichteinstellungen durchgehen. Haruko, Mikrophon-Check. Oguri, sieh nach Suga-san und ruf ihn zum Stand-by.“

„Ey, Ey, Captain“, scherzte Oguri. Er war einer der engsten Mitarbeiter Juns. Man konnte sich auf ihn verlassen. Jun schätzte ihn.

Jun grinste ihn an, machte sich dann auf zum Technikraum. Noch 30 Minuten.
Und irgendwo musste er noch Haarspray auftreiben.

*

Zehn Minuten vor der Show, brachte Jun Suga persönlich zur Bühne und informierte ihn über die letzten Details die Show betreffend. Der lächelte höflich und nickte an den passenden Stellen.
Eine angenehme Erscheinung. Eher selten im Showbiz.

„Gibt es sonst noch etwas, was ich für Sie tun kann?“

„Hmm“, begann Suga. „Da gibt es eine Kleinigkeit. Es ist das erste Mal, dass ich Tänzer in meiner Show habe. Und ich würde sie im MC gern involvieren. Zu Wort kommen lassen, wissen Sie, Matsumoto-san? Sie arbeiten so hart und es wäre unfair-...“

„Kein Problem“, Jun lächelte und bedeutete Suga-san im hinteren Bühnenbereich zu warten.

Mental revidierte er die angenehme Erscheinung.
Änderungen waren nie gut. Abweichungen vom Plan waren nie gut. Zehn weitere Mikrophone aufzutreiben und zu checken – jetzt - war die Hölle. Aber er lächelte, wünschte Suga Shikao viel Glück bei der Show und machte sich forschen Schrittes auf in Richtung Tänzer-Umkleide.
Er musste erst die Tänzer zum Stand-by schicken bevor er 50 Minuten Zeit hatte sich um die zusätzlichen Mikrophone zu kümmern.
Was als wie geplant galt, wurde hektisch. Er hatte nichts gegen Hektik. Er hasste nur, wenn nichts nach Plan verlief.

*

„Auf eine gute Show“, verabschiedete er jeden einzelnen Tänzer, begutachtete ihn im Ganzen.

„Shin-san, bevor du raus gehst. Binde deine Schuhe richtig. Ich weiß, es ist äußerst stylisch, sie so zu tragen. Aber es wird nicht sonderlich stylisch sein, deine Schuhe mitten auf der Bühne zu verlieren. Ich will nicht, dass irgendwas da draußen passiert.“

Der Angesprochene verbeugte sich entschuldigend und gehorchte aufgrund der harschen Worte.
Jun ließ weitere drei Tänzer passieren.

„Ohno-san“, Angesprochener sah milde fragend auf. „Sind das neue Schuhe?“

Ohno nickte überrascht. Jun griff in seine Jackentasche und gab ihm eine Minidose Haarspray.

„Sprüh deine Sohlen damit ein. Es schien als hättest du Probleme in der Probe gehabt. Es sollte für die erste Hälfte helfen.“

Ohno nahm die Dose dankend und etwas perplex entgegen, während Jun die letzten Tänzer kritisch passieren ließ.

„Alles okay soweit?“

„Vielen Dank“, erwiderte Ohno, erhob sich und glitt prüfend über den Boden

„Viel Glück da draußen!“ Jun schenkte ihm ein Lächeln und wandte sich von einer Sekunde auf die nächste hektisch um.

„LICHT!“, brüllte er beinahe, sodass Ohno zusammenzuckte als er seinen Kameraden folgte.

*

„Es ist das erste mal, dass ich von Tänzern unterstützt werde“, leitete Suga Shikao den MC ein. Das Publikum klatschte zustimmend. „Ich möchte sie auf die Bühne holen, quasi eine kleine Vorstellungsrunde...“

Jun händigte jedem von ihnen ein Mikrophon aus und unter Beifall betraten sie die Bühne. Er atmete erleichtert durch. Bei Gott, er hatte es geschafft!
Yamashita ergriff das Wort „Wir sind Satsu-ki. Es ist eine Ehre hier sein zu dürfen.“ Er verbeugte sich. „Mein Name ist Yamashita Tomanashi.“

„Shin Chiaki.“

„Ikuta Toma.“

„...“

Ohno hatte das Mikrophon gehoben, sprach auch hinein, aber kein Ton drang in die Halle. Etwas verwundert starrte er das Mikrophon an.

„Verdammt!“, fluchte Jun, raufte sich die Haare.

Währenddessen griff Ohno ruhig nach Tomas Mikro und stellte sich vor. Ohne jede Hast oder Panik während Jun rotierte um Ersatz zu finden.

Jun konnte hören, wie die anderen sich nach und nach vorstellten. Beim siebenten fand er ein Mikrophon im Tonraum und raste zurück, sodass er beim Zehnten atemlos an der Bühne ankam, sein Headset abnahm und unter lauter Verbeugungen die Bühne betrat.
Suga lächelte.

„Dann sind wir ja heute fast komplett. Meine Damen und Herren, Matsumoto Jun, ohne den hier nichts geht.“ Pfiffe ertönten, Beifall wurde gespendet als Jun sich immer wieder verbeugend Ohno näherte und ihm das Mikrophon reichte.

„Danke“, sprach Ohno nun deutlich durch das Mikrophon und grinste Jun an. Jun verbeugte sich lächelnd und schritt erleichtert und unter Beifall von der Bühne während der MC fortgesetzt wurde.


(„Gibt es so was wie einen Leader?“, fragte Suga. Die Tänzer grinsten unisono.

„Eigentlich ist es Ohno, hier“, sagte Yamashita und klopfte seinem Nachbarn auf den Rücken.

„Aber er tut nicht sonderlich viel.“

Suga lachte. „Wie kommt es dann zur ungewollten Führungsrolle?“

„Er hat beim Janken-Pon verloren.“

Das Publikum lachte und Ohno lächelte etwas gequält.

„Aber er ist der beste Tänzer unter uns“, warf Toma ein. „Man müsste eigentlich meinen, er trainiert viel, aber er ist immer der erste, der verschwindet.“

Ohno wedelte mit einer Hand. Suga lachte erneut. „Also ein Naturtalent mit viel Freizeit? Was fängt man mit soviel Freizeit an?“

„Fischen!“, erklärte Ohno und zum ersten Mal konnte Jun so etwas wie Begeisterung in seinem Ausdruck lesen.

Seine Tänzerkameraden lachten, sowie das Publikum.)


*

„Gute Arbeit!“, ertönte Matsumotos erleichterte Stimme, als er jedem das Mikrophon abnahm und sie in Richtung Umkleide schickte. „Erfrischungen und Snacks stehen bereit.“

Johlend und noch immer unter Adrenalin liefen sie zur Umkleide. Ohno trottete wie immer langsam hinterher und Jun musste grinsen.
Eine Hand landete auf seiner Schulter.

„Gute Arbeit, Matsumoto-san!“, bemerkte Suga.

„Ah, Suga-san, eine wirklich gute Performance. Ihr Wagen steht bereit, sobald sie fertig sind...“ Jun verbeugte sich.

Suga lächelte. „Danke“, erwiderte er und ließ Jun allein hinter der Bühne zurück.

Jun drehte sich einmal im Kreis, hörte noch Gewusel in den Gängen. Aufräumarbeiten, Zusammenpacken. Er steuerte auf den nächsten Ausgang zu.

Frische Luft!
Er atmete tief ein und aus, kramte in seinen Taschen ein wenig zittrig nach einer Zigarette. Zu viel Kaffee, zu wenig Schlaf.
Er fand die Zigarette, jedoch kein Feuerzeug.

„Verdammt!“, fluchte er.

„Feuer?“, fragte jemand hinter ihm und Jun zuckte zusammen. Er erblickte das schläfrige Gesicht von Ohno Satoshi, der ihm ein Feuerzeug hinhielt. Vielleicht konnte er auch den Hauch eines Lächelns erkennen, aber da war sich Jun wirklich nicht sicher.

„Danke.“

Jun zündete sich seine Zigarette an und entspannte sich nach dem ersten Zug sichtbar.

„Viel Stress, huh?“

Jun lachte leise. Er hätte nicht gedacht, dass jemand wie Ohno auf Smalltalk aus wäre.

„Wie man’s nimmt...“

Ohno lächelte.

„Wenn ich zu viel Stress habe“, Jun bezweifelte, dass dies je der Fall war. „gehe ich Fischen. Es ist ziemlich entspannend.“

„Wirklich?“, fragte Jun leicht amüsiert. Er konnte sich nicht vorstellen, dass er jemals Fischen gehen würde. Oder sich dazu Zeit nehmen würde.

„Ja!“, Ohnos Augen leuchteten auf. „Acht Stunden angeln, mit ein paar Pans [1] meiner Bäckerei und man ist wie neu.“

„Bäckerei?“

Ohno lächelte verschämt. „Nur eine Kleine, in Chiba. Wenn Matsumoto-san zeit findet...“

„Vielleicht komme ich mal vorbei“, nickte Jun.

Es war überraschend angenehm mit Ohno zu plaudern. Der Tänzer hatte so etwas entspanntes, dass dieses Gefühl auf andere überschwappte. Jun lehnte sich an die Hauswand, sah nach oben in den Himmel und lächelte.

Er bemerkte wie Ohno sich von der selbigen abstieß. „Na dann~“

„Auf Wiedersehen, Ohno-san!“, Jun verbeugte sich leicht.

Ohno lächelte ihm zu. Jun lächelte zurück.

Matsumoto Jun nahm sich grundsätzlich vor, jedem mit dem er arbeitete, mit Namen ansprechen zu können. Nur wenige davon blieben im Gedächtnis. Ohno Satoshi tat es.


tbc.

[1] Pan = japanisch für Brot. Ich meine diese süßen "Brote" Ich kann es nicht besser beschreiben, deshalb der japanische Name.

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Zuletzt bearbeitet von satsuki am Mi Aug 26, 2009 6:38 pm, insgesamt 4-mal bearbeitet
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satsuki
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BeitragVerfasst am: Mo Aug 24, 2009 9:05 am    Titel: 2. Aiba Antworten mit Zitat

Titel: If we weren't Arashi

Kapitel: 2/4 (vorläufig)

Genre: AU
Pairings: Bis jetzt noch keine, Jun-centric, (tendenziös Sakumoto?)
Wörter: 2366

Anmerkungen: von den AU-CMs inspiriert. Hoffe es sind nicht zu viele Fehler drin? unbetaed.
EDIT: Vielen Dank, Slashbabe~


2. Aiba

Jun konnte sich seine eigenen Taten nicht wirklich erklären. Das war doch mal etwas neues. Normalerweise durchdachte er jeden Schritt. Und wirklich...
Er hatte keine Zeit.
Er hatte überhaupt keine Zeit um nach Chiba zu fahren. Noch weniger sollte er Zeit haben wegen einer kleinen Bäckerei nach Chiba zu fahren.
Er hatte nicht sonderlich viel übrig für Brot.

Aber er war neugierig. Neugierig darauf, wie ein angelnder Tänzer nebenbei noch eine Bäckerei betreiben konnte. Es hatte etwas herrlich absurdes.

Er bog die nächste Straße ein und erblickte einen einfachen, aber durchaus künstlerischen blauen Schriftzug auf gelben Grund: „Ohnos Bäckerei“ las er über einem simplen Eingang mit Schaufenster. Jun parkte davor, stieg aus und nahm seine Sonnenbrille ab. Er fragte sich zum hundertsten mal, warum er hier war.

Als er durch die Tür trat, kündigte eine helles Klingeln seine Ankunft an und sofort fühlte er sich wie in einem französischen Film. Vor ihm erstreckte sich eine nicht allzu lange Theke. Neben ihm standen zwei kleine Tische mit jeweils zwei Stühlen aus einfachem Holz. Hinter den Tischen stand an der Wand ein Klavier, das zur gleichzeitig abstrakt deplatziert und aber auch zugehörig wirkte.
Es duftete nach Melon Pan.
Auf einmal war sich Jun wirklich nicht mehr sicher, was er hier sollte. Es erschien ihm wie eine kleine Welt, in der er eindrang. Er war Hektik gewöhnt, riesige Konzerthallen, große Restaurants. Dieser kleine Laden jedoch hatte etwas so eigenes ... eine eigene Zeit.

„Willkommen!!!“, ertönte es auf einmal erfreut, sodass Jun unwillkürlich zusammenzuckte und sich erschrocken zur Theke umdrehte. Ein sonniges Lächeln begrüßte ihn.

„Gu-Guten Tag“, stotterte Jun. Er stotterte. Er stotterte nie!

„Aiba-chan, du sollst doch nicht hinter die The-... Matsumoto-san!“ Jun nickte leicht, noch immer irgendwie erstarrt, aber erleichtert Ohno zu sehen.

„Oh-chan! In deinen Angelklamotten kannst du ja schlecht... Und ich war eh gerade hinten im Lager. Das Macha Melon Pan ist übrigens köstlich. Und da war ein Kunde. Ich habe übrigens eine neue Variation zum ausprobieren. Und du warst... und ich war...“

Jun starrte ihn an. Aiba-chan? Doch nicht wie Aiba Masaki? Das GAP Model? Jun kniff leicht die Augen zusammen. Auf den Fotos wirkte er immer... anders. Wenn er den jungen, energiegeladenen Mann so betrachtete, war es kaum vorzustellen, dass er auch nur eine Sekunde für ein vernünftiges Foto stillsitzen konnte. Er blickte zwischen Aiba und Ohno hin und her. Aiba, der seine Tirade fortsetzte und aufgeregt irgendetwas von einem Curry Pan Plan berichtete. Und Ohno, der ihm geduldig, leicht schmunzelnd zuhörte, bis er sich zu besinnen schien und zu Jun blickte.

„Matsumoto-san!“, unterbrach Ohno Aiba milde. „Es freut mich!“, er kam um die Theke herum, noch immer in voller Angelmontur und Gummistiefeln, und reichte ihm die Hand. Jun nahm sie etwas perplex.
Er roch Fisch und frischem Brot. Nicht unbedingt die beste Kombination. Aber irgendwie so authentisch, dass er lächeln musste.

„Jun!“, sagte er und fragte sich gleichzeitig, was er da von sich gab. Ohno schien den gleichen Gedanken zu haben, denn er erwiderte ein „Huh?“

„Mein Name ist Matsumoto Jun. Jun ist okay“, sprach Jun etwas sicherer.

Ohno lächelte.

„Dann... Satoshi!“

„AIBA!“ Aiba sprang hinter der Theke hervor. „Aiba Masaki“, setzte er enthusiastisch hinten dran.

„Ist... Ist mir ein Vergnügen“, erwiderte Jun und verkniff sich ein euphorisches Matsumoto-untypisches „Ich kenne dich!!!“ - auch wenn Aibas Art durchaus ansteckend war. Nicht jeder musste wissen, dass er eine Schwäche für Mode und Models hatte.
Auf einmal sprang Aiba auf und Jun wich einen Schritt zurück.

„AAH! Oh-chan, ich muss los“, wedelte er hektisch. Er stürmte in den Hinterraum und Jun sah etwas unsicher zu Ohno, der nur mit den Schultern zuckte. Im nächsten Augenblick erschien Aiba schon wieder, ein Melon Pan in den Mund gestopft, entschuldigend grinsend. „Matsujun, es war mir ein Vergnügen. Ohno, versprich morgen zur Show zu kommen! Und überleg dir das mit dem Curry Pan. Ich bin sicher, es ist köstlich! Bye!!“
Und weg war er. Es hatte den Effekt eines Tornados. Es fehlten nur noch Staubwölkchen, die sich hinter ihm auftaten.

„Matsujun?“, fragte Jun.

„Er hat eine Vorliebe für Spitznamen. Nimm es ihm nicht übel“, lachte Ohno und bedeutete Jun sich an einen der Tische zu setzen.

„Kann ich dir etwas bringen? Melon Pan, - es ist frisch! - Kaffee?“

„Kaffee wäre sehr gut“, seufzte Jun fast und sah entschuldigend zu Ohno, der nur lächelte und hinter die Theke verschwand. Jun sah sich weiter im Laden um, bis sein Blick zum Fenster glitt und er die Menschen beobachtete, die draußen vorbeiliefen. Eine angenehme Stille hatte sich ausgebreitet. Irgendwo hinter der Theke konnte er Ohno werkeln hören. Er roch Kaffeeduft.
Er lehnte sich zurück. Es war angenehm hier zu sitzen.
Irgendwann setzte sich Ohno zu ihm, schob ihm eine Tasse frischen Kaffee und ein noch warmes Melon Pan zu. Seufzend lehnte auch Ohno sich über seinen Kaffee.

Sie tranken ihren Kaffee in aller Stille und beobachteten die Menschen auf der Straße.

Ohnos Gummistiefel quietschten, als er sich zurück lehnte und Jun musste lachen.

„Du bist eine sehr merkwürdige Person, Satoshi“, bemerkte er und Ohno lächelte schief.

Jun grinste.

*

Jun massierte sich seine Schläfen. Soviel Inkompetenz auf einen Haufen war strafbar.
Nichts funktionierte, aber auch gar nichts. Noch schlimmer, ihm war das Konzept nicht vertraut. Er kannte nur wenig Gesichter, nur wenig vom Zeitplan (Bis auf die allgemein verbreitete Tatsache, dass sie mit allem spät dran waren. Großartig.) und zu allem Überfluss bahnte sich eine Migräne an.

Ein Kollege hatte ihn verzweifelt zu dieser Modenschau gerufen, weil der Hauptorganisator ausgefallen war. Er war ihm diverse Gefallen schuldig gewesen und Jun konnte es ihm nicht abschlagen.

Bis jetzt hatte er zwei Handwerker zusammen gestaucht, die die Bühne befestigen sollten; drei Assistenten zum Wahnsinn getrieben, die ihre verdammten Beine in die Hand nehmen sollten um die Models zur längst überfälligen Probe zu holen und den Lichttechniker zur Schnecke gemacht, da er das Licht zu hart eingestellt hatte.

Es war schwierig einen Überblick zu bekommen, wenn man keinerlei Vorinformationen hatte. Und auch die hektischen, ausgeflippten Designer, die Extrawünsche hatten, erleichterten die Arbeit nicht sonderlich. Eigentlich müsste Jun das hier genießen. Es war eine Modenschau, mit Mode, Models und Designern. Aber...

Wenn dies hier beendet war, brauchte er eine Aspirin und eine Zigarette. Vielleicht sollte er sich auch einfach nur dem Suff hingeben.

Die Models hatten endlich die Güte sich zusammenfinden und Jun erschrak beinahe zu Tode unter ihnen Aiba zu sehen, der ihm begeistert zuwinkte.

„Matsujun! Matsujun!“

Jun nickte zurück. „Aiba-san.“

Er kam nicht umhin zu registrieren, dass seine nicht allzu euphorische Erwiderung Aiba etwas enttäuschte.

Der Choreograph neben ihm klatschte in die Hände.

„Wir haben noch eine Stunde! Ich will einen Durchgang sehen.“

Die Musik startete und das Licht fiel in sanften Blautönen auf die Bühne. Jun nickte anerkennend. Nach dem dritten Model jedoch verschränkte er angespannt seine Arme vor der Brust und schielte unbequem zu seiner rechten. Der Choreograph sah angestrengt zur Bühne hinauf.

Er strich angespannt über seinen Nasenrücken.

„Haben die Schlaftabletten genommen?“

Der Choreograph zuckte mit den Schultern. Allein diese Untätigkeit machte Jun wahnsinnig.
Die Zeit lief ihnen davon und der Choreograph schien nichts unternehmen zu wollen, obwohl er die Mängel sah.
Als das nächste Model an ihm vorbei trottete, war Juns Grenze des Erträglichen erreicht.

„Nein, Nein, halt!“, unterbrach er harsch und betrat den Laufsteg.

„Was.ist.das?“ Die Models sahen ihn verwirrt an. Irgendwo erspähte er Aiba. Er war noch nicht an der Reihe gewesen und Jun konnte nichts mehr von seiner üblichen Euphorie sehen. Er hatte etwas angespanntes. Die ganze Meute hatte etwas angespanntes. Jun fragte sich, ob es an ihm lag, konnte sich aber nicht lange mit diesem Gedanken befassen.

Jun zeigte auf einen Jungen mit schwarzen Haaren. „Du, wie ist dein Name?“

„Kame.“

„Gut, Kame, lauf noch einmal nach vorne.“

Das Model zuckte mit den Schultern und tat ein paar Schritte bis Jun ihn wieder aufhielt.

„So kannst du nicht laufen! Was denkst du, was du präsentierst, dass du derart schlürfend durch die Gegend ziehen könntest? Elegant! Mehr Elan! Einen Fuß vor den anderen!“

Kame sah ihn etwas verdrießlich an, probierte es jedoch wortlos noch einmal.

„Guter Gott!“, rief Jun gereizt. Er stand unter Zeitdruck und er hatte nichts, womit er hier arbeiten konnte. „So geht das nicht!“

„Dann mach du es doch besser!“, platze Kame, verschränkte die Arme in einer Protesthaltung und sah ihn arrogant an. „Wer Befehle gibt, sollte auch-...“

Jun sah ihn missbilligend an. „Es ist mein Job auf Fehler hinzuweisen“, wenn schon der Choreograph es nicht tut, fügte er in Gedanken hinzu. In diesem Augenblick war für Jun dieser Mann die unfähigste Person im ganzen Saal. Doch Jun ließ es an den Models aus. Er konnte es nicht ändern, er war in Rage.

„Dann zeig mir, wie ich es besser machen kann!“, spie Kame.

Jun hob eine Augenbraue. Er blickte kurz zum Choreographen, der nur mit den Schultern zuckte. War das seine Standartgeste?

„Bitte!“, erwiderte er gereizt, zur gleichen Zeit als Aiba ‚Matsujun’ rief. Er ignorierte ihn. „Musik!“

Er atmete tief durch. Er war kein Model, er hatte keinerlei Laufstegerfahrung, aber bei Gott, er konnte wenigstens sicher sein vernünftiger zu laufen als dieser Haufen.
Mit einer gewissen Arroganz und hoch erhobenen Hauptes schritt er bis zum Ende des Catwalks, drehte sich um und lief mit herausforderndem Blick auf Kame zu.
Irgendwo ertönten bewundernde Pfiffe.
Jun atmete beinahe erleichtert aus.

„So und nicht anders meine Herren!“ sprach nun auch der eigentliche Choreograph.

Jun sprang von der Bühne und erhaschte dabei einen Blick auf Aiba, der ihn niedergeschlagen ansah. Es versetzte Jun einen Stich und er brach hastig den Augenkontakt ab.

„Trotzdem waren Sie vielleicht etwas zu harsch, Matsumoto-san!“, setzte der Choreograph hinterher. „Ich meine, ich bin froh, dass Sie da sind, aber-...“

„Für Nettigkeiten habe ich keine Zeit“, erwiderte Jun kühl. „Ich werde der Technik sagen, dass das Licht so in Ordnung ist. Sorgen Sie dafür, dass sie laufen!“

Er war ein furchtbarer Mensch, wenn er unter Zeitdruck stand. Und er hatte die Angewohnheit seine Launen an den falschen Leuten auszulassen. Sicherlich hatten die Models nicht die ganze Schuld an dem Schlamassel der Performance, sie wurden einfach nicht richtig unterrichtet. Aber in diesem Moment...

Er inhalierte den Rauch seiner Zigarette und lehnte sich an die Hauswand. Er hatte das Bedürfnis seinen Kopf immer wieder an die Wand zu schlagen, vielleicht würde das seine Migräne überspielen.

„Viel Stress, huh?“

Es war wie ein Dejavu. Auf einmal stand Ohno wie aus dem Nichts vor ihm.
Jun lächelte matt. „Wie man’s nimmt...“

Er rauchte seine Zigarette bis zum Filter und trat sie auf dem Boden aus. Er fuhr sich fahrig durch die Haare.

„Was führt dich hierher, Satoshi?“, fragte er mit einem etwas gezwungenen Lächeln.

„Aiba“, erwiderte Ohno schlicht.

„Ah, richtig“ Er sah auf seine Uhr, noch zehn Minuten bis zur Show. „Ich-...“

„Matsumoto-san!“, ein hektischer AD erschien in der Tür des Hintereingangs. „Es fehlt ein Paar Schuhe! Ein-... Ein Paar Schuhe!!!“

Jun seufzte. „Ich komme.“ Der AD verschwand hektisch wieder. Das Wort „Schuhe“ hallte vom Gang wieder und Ohno sah ihn irgendwie mitleidig an. Jun atmete langsam ein und aus.

„Satoshi, könntest du“, Jun biss sich auf seine Unterlippe. Es war sonst nicht seine Art, um so etwas zu bitten. „Könntest du Aiba sagen, dass ich es nicht so... gemeint habe?“

Ohno sah ihn fragend an, nickte aber. „Sicher.“
Jun nickte ihm kurz zu und verschwand durch die Tür.

Jun betrat den Backstage-Bereich und war sofort wieder von dem üblichen Chaos umgeben.

„Haarspray!“

„Meine Naht ist geplatzt! Meine Naht!!!“

„Wo ist Kame jetzt schon wieder?“

„Ah, Matsumoto-san!“, der AD winkte ihn hektisch zu sich rüber. Neben ihm stand ein atemberaubend gut aussehender Aiba Masaki. Er trug einen schwarzen Anzug, ein rotes Hemd und Jun musste nachher nach dem Schal fragen! „Es fehlen die Schuhe für Aiba Masaki! Ich-...“

Aiba sah ihn ausdruckslos an. Die Panik um ihn herum schien ihn nicht sonderlich zu beunruhigen. Oder die Tatsache, dass er keine Schuhe hatte. In diesem Moment erinnerte er ihn unglaublich an Ohno.
Jun sah sich um. In dem Gewusel war es unmöglich passende Schuhe zu finden und die ersten Models wurden schon auf den Laufsteg geschickt.

„Mit welchen Schuhen ist er gekommen, kann er die nicht tragen?“

„Turnschuhe?!“

Jun wollte seinen Kopf gegen eine Wand schlagen. Wieder einmal. Er sollte es zu seinem Ritual machen.

„Ich regle das, kümmere dich um das-...“

„HAARSPRAY!!!“

Der AD nickte gehetzt und verschwand. Aiba sah ihn wortlos an.

„Setz dich“, forderte Jun ihn auf und ging selbst in die Knie um seine schwarzen Kenzo-Schuhe auszuziehen. „Die sollten genügen.“

„Matsumoto-san...“, erhob Aiba, als Jun ihm die Schuhe anzog und zuband. Merkwürdigerweise versetzte es Jun einen Stich von ihm so genannt zu werden. Das quietschige „Matsujun~“ war zwar ebenso eigenartig, aber angenehmer, wenn es Aiba war.

„Aiba-chan!“ Jun zuckte zusammen, als er sich gerade an dessen rechten Fuß zu schaffen machte.

„Oh-chan!“, rief Aiba erfreut. Andere Person, andere Reaktion, stellte Jun gequält fest. Aiba fuchtelte wild mit den Armen. Ohno winkte amüsiert zurück, dann erblickte er Jun in Socken und vor Aiba kniend und grinste.

„Du siehst gut aus! Und Jun lässt dir übrigens ausrichten, dass er es nicht so gemeint hat“, gab Ohno mit engelsgleicher Unschuldsmiene zum Besten. Jun hatte das Bedürfnis ihn zu erwürgen, als er sich mit einem mörderischen Blick zu Ohno umdrehte.

„Satoshi...“

„Ah, Jun...“, sprach Ohno gespielt überrascht und Jun fragte sich, wem Ohno hier eigentlich etwas vormachen wollte.

Aiba sah verwirrt von Ohno zu Jun, der sich erhob und verlegen am Kopf kratzte.
Satoshi war wirklich... Am liebsten würde er... Verdammt! Wenn sich jetzt unter ihm der Erdboden auftun würde, Jun hätte nichts dagegen.

„Aiba, noch eine Minute!!!“

Aiba stand auf und schritt Richtung Bühne.

„Viel Glück, Aiba-chan!“ Aiba drehte sich strahlend lächelnd zu Ohno um und Jun wollte nur noch weg laufen. Weit weg. Er starrte auf seine Socken und wurde sich prompt der Absurdität der Situation bewusst.

Er stand in Socken, backstage einer Modenschau. Es war bizarr. Seit er Ohno kennen gelernt hatte, fiel er von einer Absurdität in die nächste! Vor ihm ein sadistischer (so hätte er ihn nie eingeschätzt) Ohno, hinter ihm konnte er hören wie Aiba angezählt wurde.

„Ma-chan!“ Jun schrak zusammen, Ohno kicherte. Aiba schenkte ihm ein blendendes Lächeln. „Vielen Dank!“, damit war er verschwunden.

„Ma-chan?“, fragte Jun ungläubig. Ohno tätschelte seine Schulter. „Ma-chan?“

tbc

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Zuletzt bearbeitet von satsuki am Do Aug 27, 2009 6:17 pm, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Anmeldedatum: 02.02.2008
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BeitragVerfasst am: Di Aug 25, 2009 9:44 am    Titel: 3. Nino Antworten mit Zitat

Titel: If we weren't Arashi

Kapitel: 3/4 (vorläufig)

Genre: AU
Pairings: Bis jetzt noch keine, Jun-centric, (tendenziös Sakumoto?)
Wörter: 1579

Anmerkungen: von den KDDI AU-CMs inspiriert.
Slashbabe, vielen Dank für die Verbesserungen und deine Geduld ^^°


3. Nino

„Ne, Ne, Mattsun!“, kicherte Aiba zwischen diversen Bissen wohl köstlichen, aber fraglichen Redbean Curry Pans.

Aibas Eigenkreation. Jun hatte im Laufe der Zeit gelernt, dass Aiba nicht nur Model war, sondern auch eine Schwäche für jegliche Experimente hatte. Und Ohnos Bäckerei bot ihm das perfekte Spielfeld, denn Ohno hatte nicht wirklich etwas dagegen neue Kreationen von süßen Broten auszuprobieren und anzubieten. Teilweise machte das wohl auch den Scharm seiner Bäckerei aus.

Jun hob eine gezupfte Augenbraue als er Aiba betrachtete, wie er sich das dritte Pan seiner Kreation in den Mund schob. Er verstand einfach nicht, wie ein Model soviel essen konnte und trotzdem so schlank blieb. Er schüttelte amüsiert den Kopf. Wenn er andererseits daran dachte, was für ein Energiebündel Aiba war (er schwitzte sogar bei einer angeregten Konversation - im Sitzen - wie ein Marathonläufer nach 20 Kilometern), hatte er vielleicht seine Antwort.

Ohno schob ihm ein Maccha Melon Pan zu. Jun nahm es dankend an, wohl wissend, dass Widerrede in endlosen Tiraden und Tränen seitens Aiba führen würde und auch enttäuschte Blicke von Ohno konnte er nicht wirklich ertragen.
Und sie wussten um seinen Schwachpunkte. Er wusste, dass sie es wussten. Er hatte seit Wochen das Gefühl durchgefüttert zu werden.

Ohnos Bäckerei war für ihn schnell zu einer Art Ausgleich geworden. Er hatte das Gefühl jedes Mal von einer Welt, die stressig, laut und schnell war, in eine andere zu kommen, die ihr eigenes Tempo hatte. In der hektischen Welt blühte er auf, in der anderen... Er brauchte beide Welten.

„Das Konzert hast du auch geplant?“, fragte Aiba begeistert und schluckte den letzten Bissen seines Pans. Er spülte ihn mit Kaffee herunter, verschluckte sich daran und hustete die nächsten drei Minuten nur um dann mit einem „Suga Shikao? Ich liebe seine Stimme“ fort zu fahren. Als wäre nichts gewesen. Jun nickte irgendwie beeindruckt.

„Ohno hatte dort einen Auftritt“, erklärte Jun und Ohno duckte sich.

„Oh-chan? Wieso hast du mir nicht bescheid gesagt?“, fragte Aiba anklagend. „Er ist ein wahnsinnig guter Tänzer nicht wahr?“, fuhr er bewundernd fort und endete mit einem wehmütigen: „Ich hätte es zu gern gesehen“ in einem Atemzug.

Aiba war faszinierend, dachte Jun.

Jun schielte zu Ohno, der lediglich lächelnd mit den Schultern zuckte und Jun lauschte weiter grinsend Aibas Worttiraden.

Aber auch im Zuhören war Aiba ein Meister.

„Morgen organisiere ich ein Klavierkonzert“, berichtete Jun.

„Aaah?“

„Der Pianist hatte nicht wirklich eine Meinung zum Konzept.“

„Sooo?“

Jun nickte lachend.

„Ich hatte völlig freie Hand. Wir arbeiten mit Projektionen. Ich dachte mir zwei Stunden nur auf den Pianisten zu starren ist wohl für beide Seiten nicht sonderlich ergiebig...“

„Haaah?“

„Matsujun hat immer einen besonderen Blick für die Dinge, huh?“, kommentierte Ohno hinter der Theke.

Jun lächelte.

*

Jun starrte. Nein, nein, er erstarrte.

„Ninomiya-san?“

Jun tat einen zögernden Schritt in die Garderobe Ninomiya Kazunaris. Er wagte sich auch nicht weiter vor, da sein Schuh mit Spielkarten in Berührung kam. Spielkarten? Ungläubig blickte er auf die Szene, die sich ihm bot.

Ninomiya Kazunari, begnadeter Pianist, saß in mitten von einem Haufen Spielkarten und raufte sich mit der einen Hand frustriert die Haare, während er mit der anderen versuchte... ja was eigentlich? Eine Karte zu falten? Sie zu zerreisen? Jun hatte keine Ahnung und wollte es auch nicht wissen. Im Hintergrund konnte er eine vernachlässigte Wii ausmachen, die das Menü-Lied in einer Endlosschleife spielen ließ. Ab und zu mischten sich Laute verärgerten Stöhnens darunter.

Total verrückt.

Das sollte der Pianist sein, von dem er einige CDs sein Eigenen nennen durfte? Juns Mund stand in schockierter Manier offen. Er hatte im Vorfeld recherchiert! Hatte Interviews gelesen, hatte die offizielle WebSite besucht und nichts, aber auch gar nichts hatte darauf hingewiesen, dass sich Ninomiya als Freak herausstellen würde. Was er offensichtlich war. Alles, was Jun herausgefunden hatte, war die Tatsache, dass der Pianist ein generelles Desinteresse an den Tag legte. Ihm war so ziemlich alles egal. Von der Organisation des Konzerts bis hin zu dem Klavier, auf dem er spielen sollte. Er wollte lediglich wissen, wann und wo er aufzutauchen hatte und segnete alles ab. Jun hatte das Gefühl, er hätte ihn in ein Rosa Tütü mit Frack stecken können und Ninomiya hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt.
Jun störte dies nicht sonderlich. Er hatte freie Hand. Wer würde da Einspruch erheben?

Und auch wenn es ihn nichts anging, was der Künstler vor seinem Konzert tat um sich zu entspannen und Jun hoffte, dass es der Grund war. Und das Ninomiya überhaupt noch wusste, warum er hier war. Er bezweifelte ernsthaft den Gemütszustand des Pianisten. So behagte ihm dieser Anblick nicht sonderlich. Sicher, jeder hatte seine eigenen Methoden, aber...

Als Nino verwirrt aufsah, besann sich Jun und zwang sich zu einem professionellen Lächeln.

„Ninomiya-san?“, fragte er noch einmal und blendete die Szene vollkommen aus. Der Mann nickte. „Wir bräuchten Sie zur Probe. Falls es Probleme mit dem Kla-...“

„Sofort, Sofort“, fiel ihm Nino ins Wort. Juns Augenbraue zuckte. Er hasste es, wenn man ihn nicht aussprechen ließ. „Aber kommen Sie vorher mal her.“ Jun sah ihn misstrauisch an und blickte dann demonstrativ auf seine Uhr.

„Kommen Sie schon, ich beiße nicht. Soviel Zeit haben wir noch und ich will lediglich wissen, ob der Trick funktioniert.“

„Ich glaube nicht, dass wir Zeit daf-...“

„Paperlapap!“, Ninomiya winkte ab und Jun dachte, dass er so langsam aber sicher eine gewisse Aversion gegen diese Person zu hegen begann. Nach zehn Sekunden. Das roch nach einem Rekord. „Kommen Sie schon, Sie wollen doch nicht, dass wir zu spät kommen?“

Jun presste seine Lippen aufeinander und schritt mechanisch in die Garderobe, ignorierte gekonnt die Unordnung um sich herum und schaufelte sich betont höflich einen Platz auf dem Sofa frei. Kaum, dass er sich Ninomiya gegenüber hingesetzt hatte, forderte der ihn auf eine Karte zu ziehen.
Jun hob eine Augenbraue, tat aber wie geheißen. Er wollte das nicht noch weiter hinauszögern. Fast erwartete er eine Marmeladenverschmierte Karte aus dem Haufen zu fischen (und keiner würde ihm dieses Vorurteil übel nehmen...). Er zog eine Herz Zehn.

Jun beobachtete erstaunt, wie flink Ninomiya die Karten mischte und ausbreitete.
Er hatte erstaunlich kleine Hände für einen Pianisten. Jun fragte sich, wie solche kleinen Hände a) so gut Klavier spielen konnten und b) so schnell und gekonnt mit den Karten arbeiteten.
Dann zeigte ihm Ninomiya mit einem unerhört triumphierenden Grinsen die Karte, die Jun vorhin gezogen hatte.

„Faszinierend!“, bemerkte Jun halb im Spott, halb in Bewunderung. „Könnten wir jetzt...?“

„Natürlich!“, erwiderte Ninomiya sichtlich entspannter und erhob sich. Jun atmete erleichtert auf und führte ihn zu dem Klavier auf der Bühne.

„Soll irgendetwas verstellt werden? Höhe? Das Mikrophon?“

Ninomiya ließ sich auf der Bank nieder und glitt prüfend über die Tasten.

„Nein, es ist alles in bester Ordnung“, ließ er verlauten, nachdem er ein paar Töne gespielt hatte. Jun nickte und verließ die Bühne um das Erscheinungsbild und Beleuchtung zu prüfen.

„Komischer Vogel oder?“, stieß ihn Oguri an, der sich an den letzten Kabeln zu schaffen machte. „Bin an seiner Garderobe vorbei gekommen. Merkwürdige Geräusche, ich sage dir...“

„Sei froh, dass du nicht drin warst“, erwiderte Jun trocken. „Könntest du der Beleuchtung durchgeben, dass ich etwas mehr rot auf der Seite des Klaviers haben will? Aber ansonsten ist es perfekt.“

Der Angesprochene nickte grinsend und wandte sich um.

„Ninomiya-san“, rief Jun zur Bühne. „Das Licht stört Sie nicht?“ Der Pianist schüttelte den Kopf. „Gut, in 20 Minuten ist ihr Auftritt. Benötigen Sie noch irgendetwas?“

Ninomiya grinste. „Einen Whisky und ne Zigarre. Für die Nerven, wissen Sie? Betrunken spielt es sich einfach besser“, rief er quer durch den Saal zurück. Sämtliche Crew-Mitglieder drehten sich zu ihm um.

„Ich denke nicht, dass da-...“, begann Jun irritiert.

„Matsumoto-san“, Nino erhob sich lachend.

„Ja?“

„Das war ein Scherz. Entspannen Sie sich.“

Gör.

Jun wandte sich entnervt einem dauer-grinsenden Oguri zu.

„Ist der Projektor für die Installation soweit?“

Oguri Shun nickte nur, wohlwissend, dass jetzt jedes Wort zu viel wäre.

*

10 Minuten vor der Show machte sich Jun auf den Weg um Ninomiya abzuholen. Jetzt war er auf den Horror in der Umkleide vorbereitet. Er war ruhiger. Er hatte geraucht.
Das konnte er von Ninomiya nicht behaupten. Der, der ihm vor zehn Minuten noch geraten hatte, sich zu entspannen, sah selbst alles andere als entspannt aus.
Ein seltsame Art von Genugtuung breitete sich in Jun aus, obwohl er sichergehen musste, dass die Show glatt lief. Ein nervöser Star war dabei sicherlich nicht sonderlich hilfreich. Aber es machte ihn menschlich.

Er räusperte sich.

„Ninomiya-san, es wird Zeit.“

Nino sah ihn unwirsch an, während er unruhig an seinen Haaren zupfte.

„Nino reicht. Formalitäten machen mich irre.“

Jun sah ihn fragend an, reichte ihm aber höflich die Hand. „Jun.“

Ein klammer, schwacher Händedruck war das Ergebnis.
Das, was Jun als kreatives Ventil abgetan hatte (endlose Wii-Spiele, schnelle Kartentricks etc.), verwandelte sich zusehends in reine Nervosität. Nino entwickelte sich zu einem reinen Nervenbündel je näher sie der Bühne kamen und als sie am Aufgang standen, hätte Jun schwören können, Ninos Unbehagen körperlich zu fühlen.
Auch wenn es eine reine Befriedigung war, Nino so zu sehen, Job blieb Job. Er lächelte milde.

„Zeig mir einen Trick!“, sagte Jun unvermittelt. Nino starrte ihn verblüfft an. „Jetzt?“, fragte er schwankend. Jun nickte. „Einen Kleinen, wir haben noch drei Minuten, bevor die Show anfängt. Zeig mir einen.“

Nino beäugte ihn verwirrt, holte aber dennoch eine Packung Karten aus seiner Hosentasche (Jun wusste es!). Während er die Karten mischte, wurde er zusehends ruhiger. Jun schmunzelte.

Erkenntnis zeigte sich in Ninos Gesicht. Er atmete tief durch und lachte.

„Aww, Jun-tan~.“

Jun hob eine Augenbraue. Nino schob ihm - immer noch lachend - die Karten zu und betrat die Bühne.

„Meine Damen und Herren, Ninomiya Kazunari!“

Was für ein Balg. Er konnte ihn absolut nicht ausstehen. Jun lächelte schief, als die ersten perfekten Töne erklangen.

tbc

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Zuletzt bearbeitet von satsuki am Do Sep 03, 2009 2:11 pm, insgesamt 2-mal bearbeitet
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satsuki
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BeitragVerfasst am: Mi Aug 26, 2009 10:54 am    Titel: Antworten mit Zitat

Titel: If we weren't Arashi

Kapitel: 4/4 (vorläufig)

Genre: AU
Pairings: Sakumoto angedeutet
Wörter: 2093

Anmerkungen: von den AU-CMs inspiriert. Hoffe es sind nicht zu viele Fehler drin? unbetaed.
Vorläufig letzter Teil. Aber ich spiele mit dem Gedanken einer Fortsetzung, die auf SakuMoto hinausläuft. Hmm.
Vielen Dank an SlashBabe~


4. Sho

„Jun-pon~!“

Die Welt war ein Dorf. Jun, der gerade die Tür öffnen wollte, erstarrte in seiner Bewegung. Nino. Nino in Chiba. Nino in Chiba in Ohnos Bäckerei. Nino am Klavier in Ohnos Bäckerei in Chiba. Jetzt machte das Klavier irgendwie Sinn.
Ein Gott verdammtes Dorf!

Er wollte umkehren, aber dann ertönte ein erfreutes „Matsujuuu~n!“ und er wurde quasi geblendet durch Aibas Lächeln - was jeden Menschen hätte zurückweichen lassen sollen aber stattdessen, entgegen seiner Natur, zog es ihn in den Laden.

„Was machst du hier?“, fragte er Nino unhöflich.

Er war der festen Überzeugung gewesen, dass Ninomiya so gut wie nie das Haus verlassen würde, umgeben von einem Kraftwerk an Konsolen und PCs, die halb unter einem Kartenteppich verschwanden.

Nino lachte süffisant.

„Ich bin Ohnos Verlobter!“

„HUH?“

Nino lachte schallend.

„Wir kennen uns seit der Grundschule“, erklärte Aiba sonnig und legte demonstrativ einen Arm um Ninos Schulter, der das Peace-Zeichen machte und zuckersüß lächelte.

Ein Dorf.

„Und ich habe bereits für Ohno ein Stück komponiert, als er mehr ins klassische driftete“, fügte Nino noch sonniger hinzu und tätschelte das Klavier.

Ein Gott verdammtes Dorf.

„Wo ist Satoshi eigentlich?“

Fast wie auf Kommando ertönte hinter ihm das wohlbekannte helle Glöckchen und noch bevor Jun sich umdrehen konnte, roch er Fisch.

„Oh-chan!!!“, Nino schmiss sich freudig in Ohnos Arme, wich aber binnen Millisekunden angewidert wieder zurück. „Ewwww~ Fischblut.“

Jun lachte nun eben so sonnig wie Aiba es getan hätte und setzte sich an seinen Stammplatz.

~

Zu sagen, das Jun nervös war, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts gewesen. Fahrig wischte er sich seine schweißnassen Hände an seiner Jeans ab. Er war nervös und unter Zeitdruck - an sich eine ungünstige Mischung.
Er hatte eine immense Menge Kaffee intus und war zittrig. Und irgendwie schien der Stapel an Arbeit hinter ihm ihn anzustarren.
Keine sonderlich guten Voraussetzungen um ihn zu treffen.
Jun hätte nie gedacht, die Gelegenheit zu bekommen, mit ihm zu arbeiten.

Sakurai Sho.

Er war der Grund, warum Jun sich an späten Montagabenden überhaupt und als einziges Mal in der Woche die Nachrichten ansah. Jun hatte eigentlich nichts übrig für Nachrichten. Sein Leben hielt ihn genug auf trapp und auch die zusätzlichen Fahrten nach Chiba, die eigentlich wirklich nicht in seinen Terminkalender passten, verbesserten die Gesamtsituation nicht wirklich. Wenn er die Nachrichten nicht schaffte, so zeichnete er sie auf. Und wenn dass jemand jemals erfahren sollte, wie beispielsweise Nino, konnte er sich gleich sein eigenes Grab schaufeln. Die Reaktion von Oguri Shun hatte ihm gereicht.

Auch musste er zum ersten Mal nicht ein Profil durcharbeiten. Er wusste alles über Sho. Es war fast peinlich. Auch das stand auf der Liste, die Nino nie zu Gesicht kriegen durfte. Was sich als günstig erwies, wenn er die Arbeit, die vor und hinter ihm lag, so betrachtete.

Als Shun ihm den Auftrag breit grinsend unter die Nase gehalten hatte, musste er sich sichtlich zusammen reißen nicht auf seinen Tisch zu steigen und... Nun ja. Shun wusste oder ahnte nach dem Video-Fund, dass Jun ein (Gott verdammter) Fan war oder er konnte es sich ausmalen. Jun musste diese Tatsache nicht noch bestätigen.

Ein Charity-Event bei dem er der persönliche Organisator Shos war.

Er hatte keine Ahnung, warum dies nicht sein Manager übernahm. Es kümmerte ihn auch nicht, denn seit einer Woche hatte Jun sich mit nichts anderem als Shos Arbeitsplan beschäftigt. Er hatte den groben Ablaufplan des Events durchgearbeitet. Die Punkte und Standorte, wo Sho unbedingt auftreten sollte so koordiniert, dass es auf jeden Fall machbar erschien. Es brachte viele Buchungen, Umbuchungen und Bestechungen mit sich.

Es war hektisch, es war kompliziert, es war nervenaufreibend.
Es war der Himmel auf Erden.

Und heute sollte es zum ersten Zusammentreffen kommen. Jun war nervlich am Ende, übermüdet, verschwitzt und überhaupt hatte sein Zustand nichts mit seiner Vorstellung des „ersten Treffens“ gemein. Die Woche war hektischer verlaufen, seit er für Sho die Termine hin und her schob. Und auch heute war kein Unterschied zu merken. Jun war froh, dass er diese Stunde, die für das Treffen vorgesehen war, freihalten konnte. Er ordnete ein paar letzte Unterlagen, als es an der Tür klopfte. Jun schluckte.

Die Tür öffnete sich und Jun stand hastig auf, als ein abgespannter Sho eilig den Raum betrat.

„Matsumoto Jun?“, fragte er. Der Anflug eines Lächelns war zu erkennen. Er streckte ihm die Hand entgegen. Jun nahm sie etwas zittrig. „Sakurai Sho“, er deutete eine Verbeugung an.

„Angenehm“, stammelte Jun.

Verdammt.

„Ich...“, hob er an, Sakurai Sho sah ihn merkwürdig, fast schon ungeduldig an. „Setzen Sie sich“, gestikulierte Jun.

„Ninomiya Kazunari hat Sie wärmstens empfohlen“, begann Sho langsam, etwas zweifelnd, als er sich setzte.

„Nino hat-...“, fragte Jun überrascht, doch Sho sprach bereits weiter ohne wirklich auf Jun zu achten, während er in seiner Tasche kramte.

„Er meinte Sie wären ein Genie im Planen“, Juns Augenbraue zuckte, doch noch wollte er von einem positiven Bild von Sakurai Sho, der sonst so höflich und zuvorkommend war, nicht abrücken.
Sho las hektisch etwas in seinem Planer nach. „Und da mein Manager seit einer Woche krank ist und ich außer diesem Charity Event noch alles ganz gut allein hinbekomme, sind Sie quasi meine letzte Rettung.“

Sho sah flüchtig lächelnd auf.

„Ich-...“, setzte Jun fast hoffnungsvoll aufgrund des Lächelns an.

„Sie haben bereits einen groben Plan des Ablaufs?“, unterbrach ihn Sho erneut, während er seinen eigenen Terminkalender zu scannen schien.

Jun hob seine Augenbrauen. Was dachte Sakurai Sho, was er die ganze Woche über getan hatte?

„Natürlich“, erwiderte er etwas kühl. Sho nickte ohne davon Notiz zu nehmen.

„Sehr gut. Im Vorfeld: Sie müssen mir noch einen passenden Anzug für dieses Event organisieren. Ich habe absolut keine Zeit und Ahnung, was ma-...“

Ein Handy klingelte.

„Entschuldigen Sie...“

„Sakurai Sho. Ja... Nei-... Jetzt?“, Sho sah kurz zu Jun, der neutral auf seine Unterlagen starrte und innerlich kochte.

Sho legte auf. „Entschuldigen Sie, Matsumoto-san.“ Jun sah gezwungen lächelnd auf. „Könnten Sie mir einfach eine Kopie von ihrem Plan mitgeben? Ich lasse ihnen eine Abschrift meiner Tätigkeiten zukommen und Sie verankern einfach beides und schicken es mir dann zu? Ich bin heute etwas unter Zeitdruck.“
Jun nickte während Sho sich bereits wieder erhob. „Könnten wir dann alles weitere bis zum Event telefonisch regeln? Das wäre mir sehr recht. Guten Tag.“

Damit war er verschwunden.

Jun legte fein säuberlich seine Unterlagen zusammen, erhob sich bedächtig und holte eine Zigarette aus seiner Schreibtischschublade. Als er am Fenster seines Büros stand und langsam den Rauch inhalierte, kamen ihn zwei Gedanken.

Es schien, als hätte Sakurai eine genauso hektische Woche hinter sich.

Und.

Er konnte Sakurai Sho nicht ausstehen.

Interessant.

Innerhalb von fünf Minuten war seine Euphorie wie weggeblasen, sein Image von Sakurai Sho über den Haufen geworfen und Jun spürte das Verlangen nach Brot.

*

Als er Nino durch das Schaufenster am Klavier sah, seufzte er geschlagen. Er betrat den Laden.

„Ninomiya...“

Das Klaviergeklimper verstummte und Nino lehnte sich interessiert nach hinten. „Matsumoto...“

Jun setzte sich ermattet. „Gibt es eine Chance einen Kaffee zu bekommen und vielleicht ein Maccha Melon Pan? Keines von Aibas Versuchen? Einfach nur ein Maccha Melon Pan?“ Jun sah sich um. „Ist Satoshi hier?“

Nino betrachtete ihn neugierig. „Matsumoto isst, freiwillig. Faszinierend.“

Jun knurrte.

Nino erhob sich leise kichernd und begab sich hinter die Theke. Jun wunderte sich nicht im geringsten über den hohen Selbstbedienungsfaktor. Es war Ohnos Bäckerei. „Ohno hat einen Auftritt. Pan und Kaffee sind unterwegs. Du hast Sakurai Sho getroffen, huh?“

Jun nickte langsam und starrte aus dem Fenster bis Nino sich wieder zu ihm setzte.

„Wie komme ich zu der Ehre, dass du eine Empfehlung aussprichst?“

Bis jetzt hatte Jun noch keine Gelegenheit gehabt über diese Tatsache nachzudenken.

Nino grinste. „Nun ja, wir haben unsere Differenzen. Gut keine Differenzen. Ich bringe dich auf die Palme, du lässt dich auf die Palme bringen.“ Nino seufzte theatralisch und grinste. „Es ist ein Geben und Nehmen.“ Jun fragte sich, was er gab oder nahm. „Aber nichtsdestotrotz machst du einen recht guten Job und Sho suchte verzweifelt jemanden.“

„Welch zweifelhaftes Lob... Ich soll es also nicht deiner allgemeinen Aversion mir gegenüber zuschreiben, dass ich mich um Sakurai Sho kümmern darf?“, fragte Jun und dachte sich wie verrückt es war, dass er keine zwei Stunden zuvor Ninomiya Kazunari dafür die Füße geküsst hätte.

„Jun-chan! Du denkst so schlecht von mir!“

Jun verschränkte die Arme. „Erfahrungssache.“

„Und Oguri meinte, du wärst mir ewig dankbar“, nuschelte Nino und Jun war zu ermattet um nachzufragen oder auch nur darüber nachzudenken, ob Oguri Nino kannte und eventuell... Dann lachte Nino. „Mal im Ernst. Sho ist ein guter Freund von mir, du bist ein guter Freund von mir“ Jun hob eine Augenbraue aber Nino winkte lediglich ab. „Ich weiß, Sho kann sehr...“

„Arrogant, ignorant, von sich selbst eingenommen, überreizt...“

Nino hob eine Augenbraue. „Du weißt schon, dass das Attribute sind, die auf dich genauso zutreffen?“

Jun sah ihn an. „Aber wenigstens bewahre ich ein gewisses Maß an Höflichkeit.“

„Vielleicht. Vielleicht auch nicht.“, Nino sah ihn forschend an. „Aber Nachsicht wäre angebracht. Nicht nur, dass er ebenso so ein Workaholic ist wie du, er hat auch durch den Ausfall seines Managers doppelt so viel zu tun. Das heißt doppelt so viel Stress. Und wie Menschen sich unter Stress verhalten“, Nino sah ihn irgendwie triumphierend an. „müsstest du am besten wissen.“

Jun hob eine Augenbraue.

„Aiba hat mir so einiges erzählt.“

Verdammt.

„Aber ich habe mich wenigstens entschuldigt.“

Nino lachte.

Jun nahm einen Schluck Kaffee und schwieg. Wahrscheinlich hatte Nino recht, abef würde er ihm nie sagen. Vielleicht war er zu hart mit Sakurai Sho ins Gericht gegangen, aber wenn Jun das Gefühl hatte nicht für voll genommen zu werden, dann...
Jun nickte mehr zu sich selbst und lehnte sich entspannter zurück während Nino andächtig an seinem Brot knabberte. Lange Zeit herrschte angenehmes Schweigen zwischen ihnen.
Dann:

„Du nimmst also seine Nachrichtensendung auf?“

Jun erstarrte. Verdammter Oguri.

*

Jun stöhnte. Er braucht Kaffee – es wurde zur Sucht, ganz ehrlich.
Er saß in seinem Apartment, frustriert über dem Terminplan von Sakurai Sho - irgendwo im Hintergrund lief eine sinnlose Unterhaltungssendung.
Jun hatte eine seiner Regeln gebrochen. Er nahm sonst nie Arbeit mit nach Hause. Aber Sakurais Planung machte ihn fertig. Buchstäblich.

Eigentlich müsste, nach dem Aufgabenpensum, das er hier vor sich hatte, Sho 20 Stunden durcharbeiten und das wollte Jun ihm nicht antun. Jeder brauchte eine Pause und so versuchte Jun alles mögliche hin und her zu schieben – was nur irgend ging – um ihm wenigstens eine vernünftige Mittagspause zu gönnen, ganz zu schweigen von Schlaf.

Es ertönte die Melodie von News Zero und Jun sah auf. Richtig, es war Montagabend. Jun erstarrte und sah Sho. Sah Sho freundlich lächelnd. Sah Sho, mit Augenringen so tief wie die Grand Canyons, ernst den Wirtschaftsmarkt erklärend.

Jun raufte sich frustriert die Haare und arbeitete weiter.
Irgendwann nachts um drei mailte er ein zufrieden stellendes Ergebnis an Sakurai Sho. Er lehnte sich zurück, genehmigte sich ein Glas Rotwein und starrte auf seinen Fernseher. Er hoffte nur, dass Sakurai einigermaßen zufrieden war.

*

Sein Handy klingelte. Sein Handy klingelte früh um sechs. Jun öffnete stöhnend seine Augen und blickte sich desorientiert um. Sein Fernseher zeigte die Morgennachrichten. Auf seinem Couchtisch stand sein halbgelehrtes Glas Wein. Sein Rücken schmerzte und er hatte in seinen Klamotten geschlafen. Eww.
Und sein Handy klingelte immer noch.

„Ja?“, krächzte er und räusperte sich verschlafen. Er war noch nicht ganz Herr seiner Sinne oder seines Anstandes oder seiner Höflichkeit...

„Matsumoto-san?“

Jun riss seine Augen auf, war schlagartig hell wach. Sakurai Sho? Er richtete sich kerzengerade auf und strich unbewusst seine Kleidung glatt.

„Habe ich Sie geweckt?“

„Ich-... Nein-... Sakurai-san?“, fragte Jun und Panik stieg ihn ihm auf. „Stimmt etwas mit ihrem Terminplan nicht? Habe ich...“

„Nein, Tatsache ist, ich habe eine Mittagspause“, sprach Sho etwas ungläubig.

Jun starrte verwirrt auf das Fernsehbild ohne etwas wahrzunehmen.

„Und das ist...?“

„Gut“, sprach Sho lachend. Er hatte ein schönes Lachen. Verdammt Jun, konzentrier dich.

„Ich hatte noch nie eine Mittagspause. Jedenfalls keine, die in meinem Terminplan fest verankert gewesen wäre. Es ist faszinierend. Also irgendwie neu... ungewohnt...“, er wurde immer leiser.

„Sakurai-san?“, fragte Jun nach.

„Noch mal von vorn...“

Juns Verwirrung nahm stetig zu, quasi proportional zur Länge des Telefongespräches.

„Matsumoto-san?“

„Sakurai-san?“

„Ich habe heute um zwölf eine Mittagspause“, er konnte Shos Lächeln hören. „Wollen wir uns zum Lunch treffen? Wir könnten das Event näher besprechen und ich könnte mich für das letzte Treffen entschul-...“

„Gern“, fiel ihm Jun ins Wort, wenn auch etwas perplex.

Er konnte Shos erleichtertes Ausatmen Hören. Es war fast schon süß.

„Sehr gut. Kennen Sie Ohnos Bäckerei in Chiba?“

Die Welt war ein Dorf!

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Zuletzt bearbeitet von satsuki am Sa Sep 26, 2009 5:41 pm, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Anny
How's it going


Anmeldedatum: 02.12.2008
Beiträge: 64
Wohnort: Oldenburg

BeitragVerfasst am: So Aug 30, 2009 5:36 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ahhh sie FF ist so toll!!
Was wäre wenn sie nicht Arashi wären??!!
Ich finds soo klasse!!
Du must unbedingt weiter schreiben!! Onegaishimasu!!
Ich musste so lachen bei Juns fangirling für Sho!
Und das alle Ohnos Bäckerei kennen und da auflaufen ! XD

Bitte bitte mach ne Fortsetzung! Möchte Sakumoto sehen! ^____^

_________________
It must be difficult to date Nino. I'd be like "Well I totally like you. But what about your husband?"
But it must be harder to date Ohno. Come to think of it, you would turn around and see Jun and Nino smiling at you.
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